Backwater & Fort Cochin

Zeitig aufstehen war angesagt um pünktlich 6.30 Uhr am Bahnhof von Varkala zu sein. Die böse Überraschung folgte bei der Ankunft. Nach einer etwas dürftigen Aussage der Mitarbeiterin war der Zug komplett ausgebucht. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als wieder mit der Rikscha zur Hauptstraße zu fahren und mit dem Bus die rund 100km nach Alleppey zurück zu legen. Die Busse fahren wie auf eine Kette gefädelt und sind trotzdem alle randvoll. Es stehen meistens genauso viele Leute wie sitzen, aber das kannten wir ja schon. Schneller als gedacht erreichten wir den Hafen, in dem unzählig viele Hausboote liegen mit denen man die Backwaters in Mehrtagestouren erkunden kann. Die Backwaters sind ein zum Teil künstlich angelegtes Kanalsystem, weclhes mit über 600km Kanalstrecke unendlich groß wirkt. Zum Glück tummelten sich noch wenig Touristen am Hafen und der Preis für eine 24-Stunden Tour mit Koch und Kapitän war recht einfach zu verhandeln, wobei man bei der ganzen Sache auch die Qualität der Boote im Auge behalten muss. Wir waren sehr positiv gestimmt und genossen gleich nach der Abfahrt ein ganz nettes, jedoch sehr Reis lastiges Mittagessen. Auf dem Boot war es sehr gemütlich und man hatte viel Platz zum entspannen.

Es gab sogar DVD-Player und Flatscreen, welche wir natürlich nicht nutzten.

Links und rechts am Flussufer sieht es ähnlich aus wie in den kleinen Straßen in den Indischen Dörfern. Die Leute hier leben von und mit dem Fluss. Nichts funktioniert ohne ein Boot, d.h. die Kinder müssen mit dem Boot zur Schule gebracht, Baumaterialien und sämtliche anderen Güter auf Holzkähnen transportiert und natürlich auch die Wäsche und die Bewohner selbst im Fluss gewaschen werden. Wasser aus der Leitung gibt es nicht. Es gibt Momente, da hat man das Gefühl man fährt bei den Leuten durchs Badezimmer. Zur Übernachtung haben wir im Heimatdorf unseres Kapitäns fest gemacht. Es gab wieder reichlich Reis und Chicken. Neben dem Verständigungsproblem , was sich erst Stück für Stück herausstellte, hatte wir nun auch noch so einige Kriechtierchen in unserem Zimmer identifiziert. Wir entschieden uns, nach einigen Diskussionen, die Nacht auf dem Deck zu verbringen. Am naechsten Morgen, nach einem kleinen Fruehstueck, ging die Fahrt weiter und fuehrte uns durch kleine Kanaele und letztendlich wieder zum Anleger. Dabei konnten wir live mitverfolgen, wie die Einheimischen in den Tag starteten. Vati nimmt mit seinem kleinen Sohn ein Bad im Fluss inklusive Zaehneputzen, danach zieht der Junge sich die Schulsachen an und wartet auf das Faehrboot zur Schule. Das alles waere ja auch ganz nett, wuerden die Einheimischen nicht so sorglos mit „ihrem“ Fluss umgehen. Unser Kapitaen und Koch wohnten selbst direkt am Fluss mit ihren Familien. Daher ist es mir umso unverstaendlicher, warum sie ihren Muell ununterbrochen im Fluss versenkten. Als Beispiel: Unser Koch trinkt eine Tasse Tee im Pappbecher. Wenn der Becher alle ist, wird er ganz selbstverstaendlich in den Fluss geworfen. Da dies anscheinend normal ist, schwimmt in dem Fluss allerlei Dreck, alte Kleidung usw. Schade, dass die Einheimischen sich ihr eigenes kleines Paradies zerstoeren.

Trotz alledem war es eine schoene Erfahrung und ein netter Abschluss.

 

Danach verbrachten wir noch einen Tag in Fort Cochin, einem gemuetlichen Vorort der Stadt Kochi, von wo unsere Fluege am naechsten Tag gingen. Dort gingen wir noch einmal ordentlich shoppen und kauften allerlei guenstige Klamotten, Elektronikartikel und anderen Kram.

 

Zum Abschluss laesst sich noch sagen, dass es eine tolle Reise voller bleibender Eindruecke war.

Nach 3 Wochen Indien kann ich aber erstmal keine Oberlippenbaerte ( 9/10 der Maenner haben einen, wahrscheinlich sind es sogar 95% ) mehr sehen.

Ausserdem freue ich mich wieder auf eine zivilisiertere Gesellschaft ohne staendiges Autohupen, schreiende Strassenverkaeufer und immer volle Strassen, Gehwege, Bahnhoefe etc.

 

Bis bald

Marco & Martin

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